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22. März 2005
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LINUX-BETRIEBSSYSTEM

Freiheit ist für alle da

Von Mirko Tasler

Dass PC-Nutzer "BabyGurl" auf Linux umstieg, war Notwehr: Zu oft hatte sie mit Windows wertvolle Zeit infolge von Ungereimtheiten, Abstürzen und Viren verloren. Mittlerweile ist sie bekennender Liebhaber des Freie Software-Systems. Doch Linux kann noch mehr: "BabyGurl" muss erleben, dass auch "Normaluser" meist mit aktuellen Linuxversionen keine Probleme haben.

Im ersten Teil stieg Nadine alias "BabyGurl" auf Linux um, weil sie genug hatte vom Ärger, den ihr Windows bereitete. Sie wollte einfach nur noch produktiv mit dem Computer arbeiten. Sie begann, sich mit GNU/Linux wohl zu fühlen: Keine Probleme, keine dauernden Abstürze, Sicherheitsupdates aktualisieren einfach und lückenlos die gesamte Software.


Linus Torvalds, Kultfigur der Linuxszene: Er entwickelte den letzten fehlenden Baustein für ein freies Betriebssystem
AP
Linus Torvalds, Kultfigur der Linuxszene: Er entwickelte den letzten fehlenden Baustein für ein freies Betriebssystem
Immer öfter benutzt Nadine Linux, Windows ist nur noch "aus Gewohnheit und falls man es doch mal braucht" auf der Platte.
Doch dann bekommt sie zum Geburtstag ein Computerspiel - für Windows. Grund genug, mal wieder Windows zu booten?

Plötzlich funktioniert unter Windows nichts mehr. Die neue USB-Maus und USB-Tastatur, die Nadine irgendwann einmal angeschlossen hatte, werden nicht erkannt, Treiber müssten installiert werden - doch wie macht man das ohne Maus und Tastatur? Unter Linux funktionierten die Geräte auf Anhieb, die alte Tastatur ist längst im Müll, die alte Maus verschenkt: Nadine macht einen Rückzieher, tauscht das Spiel um und löscht Windows entgültig.

Ist Nadine einfach nur zu dumm für Windows? Oder hat sie gar nicht vor der Intelligenz des Computers versagt, sondern einfach nur die Konsequenz aus dessen Fehlerhaftigkeit gezogen?

Diktatur der großen Firmen?

ZUM THEMA IN SPINNER ONLINE

Selbst Informatik-Profis haben sich längst von der Vorstellung verabschiedet, man könne fehlerfreie Computersysteme programmieren und akzeptieren Systemabstürze als unausweichliche Tatsache. Computersysteme von morgen produzieren kontrollierte Systemabstürze, weil man auf diese Weise flexibler auf einen wirklichen Notfall reagieren kann. Es geht nicht mehr um Fehlervermeidung, sondern um intelligente Schadensbegrenzung.

Linux-Cluster: Im wissenschaftlichen und professionellen Bereich ist Linux ein System mit phantastischen Möglichkeiten
DPA
Linux-Cluster: Nicht nur im wissenschaftlichen und professionellen Bereich ist Linux ein System mit phantastischen Möglichkeiten
Da wirkt Windows mit seinen Totalcrashs reichlich rückschrittlich. Und das ist auch kein Wunder. Denn so durchdringend die Software auch vermarktet wird: Managementexperten können keine Software entwickeln.

Windows enthält immer noch im wesentlichen Code aus der Anfangszeit, also von 1980. Eine Zeit, die beherrscht war von Aufbruchsstimmung: Dem Computer gelang der Durchbruch, weg von den gut designeten, aber teuer zu entwickelnden Systemen der Forscher (wie UNIX) hin zu simpelst programmierten Programmen. Softwareentwicklung kostete Geld - Marketing brachte Geld, denn selbst wenn das Produkt scheiße war, man brauchte es den Benutzern nur klug genug verkaufen und versprechen, fehlende Features "bald, und viel besser als die Konkurrenz" nachzuliefern. So wurde der DotCom-Boom vorbereitet und man glaubte, mit Computern schnelles Geld machen zu können.

Für Managementexperten erschien der Computer als geniale, bis ins letzte Detail zum Gelddrucken geeignete Maschine. Kleinere Schönheitsfehler wie kopierbare Software trübten zwar das Bild, waren aber dank DRM und Kopierschutzmechanismen im Zaum zu halten - und notfalls kriminalisierte man die Benutzer ganz einfach.

Doch dann kam Freie Software.
Auf einmal war es möglich, mit einem System zu arbeiten, welches einem nicht vorschrieb, was man tun und lassen durfte. DRM? Kinderkram. Raubkopien? Gibt es nicht - stattdessen verdienen Firmen wie gehabt ihr Geld mit Support und Dienstleistung, anstelle erst mit Dealermethoden ein "tolles" Grafikformat durchzusetzen, da dann ein Softwarepatent draufzupappen und groß abzukassieren.


Gut, Windows ist vielleicht scheiße, sagen die Befürworter. Aber immer noch tausendmal besser, als alles, was gerade auf dem Markt ist.

Das allerdings ist fraglich. Die vielgerühmte Sicherheit und Stabilität von Linux mit strenger Benutzertrennung, Sicherheitsabfragen und ausgefeilter Rechtevergabe hat Tradition, die Softwareapplikationen funktionieren damit.
Unter Windows hingegen verweigern viele Programme schon den Dienst, wenn man nicht als Administrator, also mit allen Rechten, unterwegs ist - ein Willkommensgruß an alle Virenschreiber.
Natürlich kann auch GNU/Linux nicht gegen alle Viren und Schädlinge helfen - gegen dressierte Mausklicker, die wild auf alles klicken, was nach "OK" aussieht (und "Sicherheitsupdates" für gefährliche Monotonieunterbrecher halten), ist kein Kraut gewachsen: "Programming today is a race between software engineers striving to build bigger and better idiot-proof programs, and the Universe trying to produce bigger and better idiots. So far, the Universe is winning."

Wer Ja sagt zur Diktatur ...

Abgesehen davon enthält der Windows-Sourcecode Unmengen von Fehlern. Immerhin wurde er von Hunderten Programmieren über Jahre hinweg zusammengeschrieben. Und wo viele Menschen arbeiten, werden unweigerlich viele Fehler gemacht. Auch und gerade wenn der Code nicht offen liegt und so niemand sonst Schwachstellen entdecken und - viel wichtiger - ausbessern kann. Vor Computerviren sind Linux-User nicht nur deshalb sicherer, weil es sich für böswillige Hacker noch nicht lohnt, Linux-Viren zu schreiben. Sondern auch, weil Fehler sehr schnell gefixt werden - notfalls eben von jemand anders als dem Originalautor.

Privat-User: Das richtige System.
AP
Privat-User: Das richtige System.
Keine Frage: Was die Produktionsbedingungen angeht, ist Linux auf der Höhe der Zeit. Alle Welt spricht von Freie-Software-Communities als den Thinktanks von Morgen. Großartige Softwareprodukte wie Wikipedia oder Firefox sind in Freie-Software-Netzwerken entstanden. Darüber hinaus hat der Linux-Boom mit dazu beigetragen, wichtige Reformen im Lizenzrecht einzuleiten.

... versteht den Wert der Freiheit nicht

Doch auch weil Linux in der Freie-Software-Community entstanden ist, engagieren sich die Benutzer viel für Freiheit.
Umgekehrt haben Windows-Benutzer nicht automatisch weniger Verantwortung im Umgang mit Computertechnologie. Eigentlich ist genau das Gegenteil der Fall: Wer den größten Teil seiner Arbeitszeit damit verbringt, bei aufpoppenden Dialogboxen auf "OK" zu klicken oder Enter zu drücken, der übersieht so auch schnell mal eine Sicherheitsabfrage. Und alle anderen Computernutzer dürfen sich fortan über den Spam freuen.

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SPINNER ONLINE findet so viele gute Linux-Distros unverantwortlich.
Kreatives Arbeiten ist sowieso unter dem Zwang, sich streng an vorgegebene Möglichkeiten zu halten, nur äußerst schwer möglich. Vielleicht wird sich das mit fortschreitender technologischer Entwicklung von selbst erledigen. Das denkt zum Beispiel der Informatiker David Gelernter, der mit der Aussage "In der Zukunft werden wir über jede Menge Technik verfügen - und das Beste daran wird sein, dass wir uns über Technik keine Gedanken mehr machen müssen. Dankbar und erleichtert werden wir uns wieder den Themen zuwenden können, die wirklich zählen." voraussagt, man werde irgendwann in Ruhe programmieren können, wenn Softwarepatente, Überwachung und DRM endlich Schnee von gestern sind.

Für die Gegenwart sollte das nicht heißen, technologische Fehlentscheidungen zu ignorieren. Man sollte sich nur nicht von ihnen kontrollieren lassen. Unabhängig davon, ob man mit Windows, MacOS oder Linux arbeitet.


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Dies ist Satire!
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